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Ralf Meyer-Ze als Kragler, Foto: Anja Beutler Kragler Ralf Meyer-Ze als Kragler, Foto: Anja Beutler
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Ralf Meyer Ze, Kaja Borsdorf und Bogdan Bogdanovic, Foto: Anja Beutler Tanz mit Bett Ralf Meyer Ze, Kaja Borsdorf und Bogdan Bogdanovic, Foto: Anja Beutler
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Monika Weller als Amüsierdame, Foto: Anja Beutler Amüsierdame Monika Weller als Amüsierdame, Foto: Anja Beutler
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Szene mit Wahnvorstellungen im Film, Foto: Anja Beutler Szene mit Wahnvorstellungen im Film, Foto- Anja Beutler Szene mit Wahnvorstellungen im Film, Foto: Anja Beutler
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Kabinett Fahrten ins Exil, Foto: Daniel Kulle Kabinett_Fahrten ins Exil Kabinett Fahrten ins Exil, Foto: Daniel Kulle
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Kabinett Freunde und Kollegen Kabinett Freunde u. Kollegen Kabinett Freunde und Kollegen
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Dokumente zu Weidts Leben und Werk, Foto: Nele Lipp Dokumente zu Weids Leben u. Werken Dokumente zu Weidts Leben und Werk, Foto: Nele Lipp
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Büchertisch (Detail): Foto: Nele Lipp Büchertisch Büchertisch (Detail): Foto: Nele Lipp
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neues deutschland, 25.10.2016, S. 16 neues deutschland, 25.10.2016, S. 16 neues deutschland, 25.10.2016, S. 16
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neues deutschland, 25.10.2016, S. 16 neues deutschland, 25.10.2016, S. 16_2 neues deutschland, 25.10.2016, S. 16
Titel
Jean Weidt_Die Zelle
Untertitel
Geschichte eines Kriegsheimkehrers
Jahr
Ort
Veranstaltungsort
Beschreibung
Im forschenden Zusammenhang mit Klaus Manns „Die zerbrochenen Spiegel“ wurde eine Mappe mit dem Libretto und 23 kolorierten Radierungen aufgespürt. Es handelte sich dabei um Material für die die im französischen Exil entstandene Tanzpantomime La Cellule von dem aus Hamburg stammenden Tänzers und Choreografen Jean Weidt (geb. Hans). Der hatte damit 1947 beim zweiten choreografischen Wettbewerb den ersten Preis und eine Goldmedaille gewonnen. Trotzdem wurde die Tanzperformance danach komplett vergessen.
Das sollte 2016 anders werden und wie im Fall Klaus Mann wurde eine Inszenierung, eine Ausstellung und ein Buch dazu erarbeitet. Konzept und Regie waren von Nele Lipp, Filmaufnahmen zur Aufführung machte Karsten Wiesel, Filmtänze choreografierte Christiane Meyer Rogge Turner die Kostüme und Masken gestaltete Burkhard Scheller (https://theo11ateliers.de/burkhard-scheller/) und die Musikkomposition dazu Wittwulf Y Malik. Es tanzten Ralf Meyer Ze (Kragler), Monika Weller (Amüsierdame), Bogdan Bogdanov (Kraglers Sohn und ein Widersacher), Katja Borsdorf (Kraglers Frau) und Tanzstudenten der Lola Rogge Schule (https://lolaroggeschule.de/). Für die mediale Gestaltung waren Lauritz Lipp und Studenten der University of Europe for Applied Sciences (UE) Hamburg zuständig.
Weidt hatte sich mit der Zelle auf auf Heinrich Manns Professor Unrat und vor allem auf Bertold Brechts Trommeln der Nacht bezogen. Doch Weidts Kriegsheimkehrer Kragler scheitert auf andere Weise. Während Brechts Protagonist einer „tragischen Komödie“ sich nach seiner Rückkehr ins bürgerliche Leben verkriecht, wird Weidts Hauptfigur tragisch an der Welt, ihren Verführungen und den eigenen, hier zum Teil als Film projizierten Wahnvorstellungen irre, verlässt seine Geliebte und wird zum Mörder an einer Unschuldigen Alten.
Als Bühnenausstattung dienten hier das Kopf- und das Fußende eines Bettes, sie hatten, wie die Treppe in Die Zerbrochenen Spiegel die Funktion den zentralen Raum zu kennzeichnen. Ein Sockel für die Amüsierdame kennzeichnete die dem Bürgerlichen entgegengesetzte Welt.
Begleitet wurden die Aufführungen von einer interaktiven Ausstellung zu Leben und Werk Jean Weidts mit drei Kabinetten und den zusätzlich als Ausstellungsflächen genutzten Gängen dazwischen. Zahlreiche dort gezeigte Gegenstände stammten aus dem Archiv von Andreas Weidt, Jeans Sohn. Dazu waren 125 Bücher ausgestellt, die in der Literaturliste der Biografie Jean Weidt. Idealist und Surrealist der europäischen Tanzszene erwähnt oder aus denen dort zitiert worden war.
Die Kabinette zeigten assoziativ Weidts Wohn- und Arbeitsraum in Hamburg, Ein Zugabteil (Holzklasse) in dem die Stationen im Exil des von den Nationalsozialisten Verfolgten interaktiv nachvollzogen werden konnten. In einem weiteren zur Interaktion ladenden Kabinett wurden Fotos von Bekannten und Freunden gezeigt, die er im Laufe seiner Odysseen kennengelernt hatte. Unter den Bildern klebten Münzen in der Währung der entsprechenden Länder (Polen, Russland, Tschechoslowakei, Frankreich, Belgien und Dänemark). Berührte man sie, so erschienen die Lebensläufe der entsprechenden Künstler auf einem Bildschirm.
Karin Schmidt-Feister schrieb eine Rezension dazu im tanznetz.:
www.tanznetz.de/de/article/2016/verlebendigtes-tanzerbe-hamburg-weidt-tanzt
Hanns-Werner Heister schrieb eine Rezension dazu in der UZ:
https://www.unsere-zeit.de/die-wiederentdeckung-des-roten-taenzers-47054/
Film:
Die Aufführung wurde von Heidemarie Härtel und Mitarbeiter*innen des Deutschen Tanzfilminstituts gefilmt und geschnitten. (Informationen dazu: info@koinzi.de)
Lit.:
Nele Lipp: Jean Weidt. Idealist und Surrealist der europäischen Tanzszene. Ein Tänzerleben, Oberhausen 2016.
Nele Lipp: „Landen und Stranden“ in: Dirk Hempel Friederike Weimar (Hg.): Himmel auf Zeit, Neumünster 2010, S. 93-116.
Dauer
65'